Gießen – Die Einführung von Bioethanol als Alternative zu herkömmlichem Kraftstoff und die steigende Zahl derer, die mit dem Rübenschnaps ihr Fahrzeug antreiben, bewegte auch im vergangenen Jahr wieder Tankstellenbetreiber dazu, eine entsprechende Zapfsäule nachzurüsten. Insgesamt acht Genehmigungen für das Auf- oder Umrüsten um mindestens eine der „grünen Zapfanlagen“ hat das Gießener Regierungspräsidium (RP) im vergangenen Jahr erteilt. Damit steigt die Zahl der Tankstellen in Hessen, die den umweltfreundlichen Sprit aus Rüben anbieten, auf insgesamt 27. Mit den neuen Zapfsäulen in Alsfeld, Gießen, Haiger, Limburg, Mittenaar, Sinn und Wetzlar sei die Tankstellendichte für Bioethanol auf gutem Wege, heißt es aus dem RP.
„Die Errichtung einer Bioethanol-Zapfanlage erfordert gegenüber den Ottokraftstoffen eine umfangreiche Betrachtung der Anlagentechnik und des Betriebes“ erläutert Bernhard Rudersdorf vom dafür verantwortlichen RP-Fachdezernat in Hadamar. „Da der Kraftstoff zu 85 Prozent aus Ethanol und nur zu 15 Prozent aus Superbenzin besteht, sind im Genehmigungsverfahren - das durchschnittlich zwei Wochen dauert - zahlreiche neue technische Regeln zu beachten“, ergänzt er. Dies bestätigten auch die Untersuchungsergebnisse der Physikalisch-technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Ein wesentlicher Unterschied zu Superbenzin sei demnach der obere Explosionspunkt. Da dieser mit abnehmendem Füllungsgrad des Lagerbehälters steige, müsse mit Hilfe so genannter Flammensperren für ein Plus an Sicherheit gesorgt werden.
Besonders die Beständigkeit aller geplanten Schläuche und Dichtungen (nicht jede Kunststoff- bzw. Gummimischung ist für Bioethanol geeignet) haben die Experten im Visier. Denn das Ethanol, so Rudersdorf, könne bestimmte Gummimischungen beschädigen, was wiederum die Explosionsgefahr erhöhe. Aus wasserrechtlichen Gründen dürfe eine E-85- Zapfpistole zudem nicht im Automatikbetrieb benutzt werden. Man wolle auf diese Art vermeiden, dass der Ethanol haltige Sprit aufgrund von Fehlbedienungen in das Abwasser gelangt, was zu Störungen in der Kläranlage führen kann, heißt es abschließend aus dem Regierungspräsidium.