Für die deutschen Ackerbauern geht eine mengenmäßig enttäuschende Getreide-
und Rapsernte zu Ende, wie der Deutsche Bauernverband (DBV) auf seiner
Erntepressekonferenz mitteilte. Mit knapp 40 Millionen Tonnen Getreide (-
8,7 Prozent) fiel das Ernteergebnis 2007 nochmals niedriger aus als die
ohnehin schwache Ernte 2006. Auch die Winterrapsernte ist für die Bauern
ernüchternd. Trotz einer Ausdehnung des Rapsanbaus um 9 Prozent bleibt die
Erntemenge mit 5 Millionen Tonnen hinter dem Vorjahr zurück.
Mit Ausnahme traditioneller Spätdruschgebiete ist die Getreideernte
eingefahren, so dass die Marktversorgung sichergestellt ist. Immer neue
Niederschläge verhindern derzeit jedoch den Abschluss der Getreideernte.
Die Vermarktung der Frühkartoffeln neigt sich ebenfalls dem Ende,
witterungsbedingt beträgt der Vermarktungsvorsprung bis zu 14 Tage.
Zuckerrüben und Mais, deren Ernte noch nicht begonnen hat, können von den
Niederschlägen profitieren und präsentieren sich mit guten Beständen.
Gleiches gilt für Gemüse, Wein und die sonstigen Sonderkulturen.
Wesentlicher Grund für die ungewöhnlich niedrige Ernte in 2007 ist der
außergewöhnliche Witterungsverlauf während der Vegetationsperiode. Nach dem
zunächst sehr milden Winter ohne nennenswerte Frostschäden starteten die
Kulturen deutlich früher als üblich in die Vegetation. Es folgte jedoch
eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit mit außergewöhnlich hohen
Temperaturen in entscheidenden Entwicklungs- und Wachstumsphasen im April
und Mai. In den folgenden Monaten konnten die Kulturen zwar etwas aufholen,
die Schädigungen dürften in den meisten Fällen jedoch irreversibel gewesen
sein. Während der Ernte sorgten immer wieder einsetzende Niederschläge für
Ernteunterbrechungen, vielerorts knickten Halme und Ähren um, die nicht
mehr geerntet werden konnten. Für die Bauern sind deshalb die deutlich über
dem Vorjahr liegenden Erzeugerpreise wichtig, um Ertragseinbußen und
witterungsbedingt höhere Erntekosten aufzufangen.
Für die einzelnen Getreidearten stellt sich das Bild wie folgt dar:
Bei der Wintergerstenernte ist 2007 mit 8 Millionen Tonnen ein deutlicher
Rückgang der Erntemenge zu verzeichnen. Der um 12 Prozent niedrigere Ertrag
und ein leichter Flächenrückgang (minus 3 Prozent) haben dazu geführt, dass
die Erntemengen um 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückging. Die
Wintergerste hat damit erwartungsgemäß am stärksten unter der
Frühjahrstrockenheit gelitten. Aufgrund ihres fortgeschrittenen
Entwicklungsstadiums konnten Trockenschäden nicht mehr kompensiert werden.
Deutlich geht auch die Entemenge für Sommergerste zurück. Ein um 8,6
Prozent geringerer Ertrag gegenüber dem Vorjahr - verstärkt durch einen
Rückgang der Anbaufläche um 8,5 Prozent - lässt die Erntemenge auf 2,1
Millionen Tonnen zurückgehen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dieses einen
deutlichen Rückgang in Höhe von 16 Prozent. Die Qualitäten sind regional
unterschiedlich, sie sind aber für Braugerste, dem wesentlichen
Verwendungszweck der Sommergerste, in der Regel ausreichend. Vielfach war
die Sommergerste zu Beginn der Frühjahrstrockenheit ausgesät worden, so
dass die Saatkörner nicht aufliefen oder die jungen Pflanzen nur
unzureichend ertragsbildende Organe ausbilden konnten.
Die Roggenernte liegt über 350.000 Tonnen und damit etwa 14 Prozent über
dem Vorjahr. Grund ist eine starke Anbauausdehnung dieses Brotgetreides um
25,1 Prozent, allerdings konnte aufgrund des um 9 Prozent niedrigeren
Hektarertrages die Ertragsmenge nicht im gleichen Umfang gesteigert werden.
Der immer wieder die Ernte unterbrechende Regen hat insbesondere bei später
geernteten Partien vereinzelt zu Qualitätsverlusten geführt, insgesamt wird
die Qualität jedoch zur Verwendung als Brotgetreide als ausreichend
angesehen.
Besonders groß ist die Enttäuschung über die Ergebnisse bei der Ernte von
Weizen, der wichtigsten Getreideart in Deutschland. Die Erntemenge wird
etwa bei 20 Millionen Tonnen liegen, knapp 10 Prozent unter der schon
unterdurchschnittlichen Vorjahresernte. Vor der Ernte war vielfach noch von
einem Ertrag ausgegangen worden, der auf Vorjahresniveau lag. Die
Niederschläge im Mai und Juni konnten die Pflanzen augenscheinlich gut
nutzen, die Bestände präsentierten sich gut. Umso größer war die
Enttäuschung, als die Mähdrescher die Bestände ernteten. Zusätzlich
erschwerten die ergiebigen Niederschläge die Ernte, weil vielfach die Halme
umknickten und Lagergetreide entstand. Die Aussagen zur Backqualität lassen
bislang auf ausreichende Qualitäten schließen. Allerdings erreichen spät
geerntete Partien nicht immer die erforderlichen Qualitäten.
Unter der ungewöhnlichen Witterung hat auch der Winterraps gelitten. Trotz
einer Ausdehnung des Anbaus um knapp 9 Prozent auf 1,5 Millionen Hektar
blieb die Erntemenge mit 5 Millionen Tonnen um 12,8 Prozent hinter dem
Vorjahr zurück. Der frühe Vegetationsstart hatte den Raps bis zu 3 Wochen
früher als üblich blühen lassen, Spätfröste trafen ihn dann in dieser
empfindlichen Entwicklungsphase. In Verbindung mit der Trockenheit im
Frühjahr führte dieser zu geringem Ertrag und im Vergleich zu den Vorjahren
niedrigen Ölgehalten.
Die durchschnittlichen Ernteerträge für Deutschland insgesamt vermögen
nicht die regional unterschiedliche Erntesituation widerzuspiegeln.
Kleinräumig stark differenzierte Niederschlagsereignisse, wechselnde
Bodenverhältnisse und geografische Schwerpunkte mit hohem
Schädlingsaufkommen verursachen ein breites Spektrum an Erträgen. Während
in Bayern insbesondere bei Weizen Erträge über dem Vorjahr geerntet wurden,
hatte Virusbefall in Niedersachsen und Schleswig-Holstein erhebliche
Ertragseinbussen zur Folge. In Thüringen und Sachsen-Anhalt sind die Ernten
in einigen Landkreisen nachhaltig durch hohen Mäusebefall geschädigt.
Die niedrige Ernte 2007 wird für die Landwirte durch die deutlich
gestiegenen Preise umsatzmäßig kompensiert. Gegenüber dem Vorjahr sind die
Preise für alle Getreidearten deutlich gestiegen, während die Preise für
Raps einer solch deutlichen Entwicklung nicht folgen konnten.