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International

Seit einigen Jahren gibt es einen regelrechten Bioethanolboom in der Europäischen Union. Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie forciert die Substitution von fossilen Treibstoffen durch Biokraftstoffe. Eine Entwicklung, die nicht nur in den Mitgliedstaaten der EU zu beobachten ist, sondern auch weltweit.

Frankreich ist der größte Bioethanolhersteller der EU. Die französische Bioethanolwirtschaft verfügt über eine jährliche Produktionskapazität von rund 1,4 Mio. Tonnen Bioethanol. Im Jahr 2009 produzierte das Land rund 990.000 Tonnen und liegt damit deutlich vor Deutschland an zweiter und Spanien an dritter Stelle. In Frankreich kann man bereits seit dem 1. April 2009 den umweltfreundlichen Biokraftstoff E10 tanken.

Spanien liegt mit Kapazitäten für die Produktion von rund 440.000 Tonnen Bioethanol an dritter Stelle im europäischen Vergleich. Im Jahr 2009 wurden in Spanien rund 367.000 Tonnen Bioethanol produziert. Der starke Anstieg - der Bioethanolbedarf verdoppelte sich seit 2006 (180.000 Tonnen) - wird hauptsächlich aus heimischer Produktion gedeckt. Aufgrund der Anhebung der Beimischungsquote für Bioethanol von 2,5 auf 3,9 Prozent wird für Spanien ein weiterer Anstieg von Verbrauch und Produktion prognostiziert.

Schweden liegt in der Produktion von Bioethanol nur im europäischen Mittelfeld, in der Vermarktung von Bioethanol als Kraftstoff ist das skandinavische Land jedoch in Europa führend. Das Land verfügt über Produktionskapazitäten von rund 245.000 Tonnen und produzierte 2009 rund 138.000 Tonnen Bioethanol. Als Besonderheit der schwedischen Bioethanolproduktion gilt der hohe Rohstoffanteil von Holz in Höhe von rund 20 Prozent. Schweden hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2020 von fossilen Kraftstoffen unabhängig zu sein. Neben der Beimischung von fünf Prozent Bioethanol in praktisch allen Benzinsorten setzt das Land vor allem auf den Reinkraftstoff E85, den darauf ausgelegte, sogenannte Flexible Fuel Vehicles (FFV) tanken. Über ein Drittel des nationalen Tankstellennetzes bietet E85 an. Der Marktanteil von FFVs in Schweden beträgt bereits rund sechs Prozent, in Folge von staatlicher Förderung in Form einer Kaufprämie und Steuerermäßigungen. Ziel ist es, im Jahr 2030 eine von fossilen Kraftstoffen unabhängige Verkehrsflotte zu erreichen.

Die USA sind vor Brasilien der größte Produzent von Bioethanol und Weltmarktführer bei der Produktion von Bioethanol aus Mais. Bereits seit den 1970er Jahren verfolgen die USA die Förderung der heimischen Biokraftstoffproduktion, zur Minimierung der Schadstoffemissionen und zur Verringerung der Abhängigkeit von Rohölimporten. Im Jahr 2010 wurden in den USA rund 39,5 Mio. Tonnen Bioethanol in 189 Anlagen hergestellt. Die Produktionskapazität für Bioethanol liegt im Jahr 2011 bei rund 40 Mio. Tonnen. Für 2011 hat die Umweltbehörde (EPA) eine Beimischung von 42 Millionen Tonnen Biokraftstoff beschlossen, dies entspricht einer Gesamtquote von acht Prozent. Die Beimischung soll in den nächsten Jahren ansteigen und laut Gesetz im Jahr 2022 einen Anteil von 107,5 Millionen Tonnen erreichen.

Brasilien führte in Folge der Ölpreisschocks bereits in den 1970er Jahren Bioethanol als Mineralölsubstitut ein. Das staatliche Förderungsprogramm „Proalcool“ verfolgte das Ziel, das Land sowohl unabhängig von Erdölimporten zu machen, als auch die heimische Wirtschaft zu stärken. Neben den USA ist Brasilien der bedeutendste Produzent von Bioethanol und größter Exporteur mit einem globalen Marktanteil von rund 60 Prozent. Im Jahr 2011 erwartet Brasilien eine Produktion von 25 Mio. Tonnen Bioethanol und einen Verbrauch von 21 Mio. Tonnen. 1977 wurde in Brasilien eine Beimischungsquote von 4,5 Prozent eingeführt. Landesweit ist Bioethanol ein etablierter Reinkraftstoff (E100) und in Form einer Beimischungsquote von 20 – 25 Prozent integraler Bestandteil des Treibstoffmixes. Besonderheit Brasiliens sind die flexiblen Beimischungsquoten. Aufgrund von möglichen Naturereignissen (z.B. Dürre, Regenstürme) behält sich die Regierung vor, die Beimischungsquoten den aktuellen Erntebegebenheiten anzupassen, um so Preisschwankungen zu verhindern. Neben der Beimischung ist an rund 32.000 Tankstellen E100 verfügbar. Als Folge der staatlichen Förderung bieten seit 2003 fast alle auf dem brasilianischen Markt vertretenen Automobilhersteller sogenannte Kraftstoff-flexible Fahrzeuge (Flexible Fuel Vehicle) an. Bereits 2009 erreichten die FFVs einen Anteil von 90 Prozent unter den Neuwagen.

 

Zum Weiterlesen:

EU-Richtlinie 2009/28/EG
www.eur-lex.europa.eu

Weiterführende Daten zum EU-Ethanolmarkt von ePURE:
www.epure.org

Weiterführende EU-Produktionszahlen:
www.biofuels-platform.ch

Überblick über weltweite Biokraftstoff-Beimischungsziele:
www.iea.org

Überblick über die Bioethanolwirtschaft der USA:
www.ethanolrfa.org