„Ich bin überzeugt, dass mit der Bioethanolanlage hier in Anklam ein Stück Zukunftssicherung geschaffen wurde. Zukunft für die Zuckerfabrik – denn der Synergieeffekt, der sich aus der Verarbeitung von Zuckerrüben für die Zuckerproduktion und für die Ethanolerzeugung ergibt, ermöglicht eine effektive Auslastung der Anlagen“, sagte der Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Dr. Till Backhaus heute anlässlich des offiziellen Startschusses für die Produktionsaufnahme der Bioethanolanlage Anklam. Angesichts der Reform der Zuckermarktordnung seien solche Investitionen entscheidend, da sich nur die Besten auf lange Sicht durchsetzen werden. Profitieren würden davon vor allem die Rübenanbauer der Region, denn die Bioethanolgewinnung gelte als Garant für den weiteren Zuckerrübenbedarf am Standort Anklam.
Der Minister verwies darauf, dass die Zuckerrübe mit 7.500 Litern pro Hektar (l/ha) einen sehr hohen Energieertrag habe, der mehr als doppelt so hoch sei wie beim Einsatz von Getreide (3.200 l/ha). „Damit kann ein Auto bei einem Verbrauch von neun Litern auf 100 Kilometern ca. 83.000 Kilometer weit fahren“, rechnete Dr. Backhaus vor. Die Kohlendioxid-Einsparung pro Liter im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen läge damit bei 40 bis 50 Prozent. Bioethanol als Kraftstoff enthalte darüber hinaus keinen Schwefel, führe zu deutlich geringer Schwebstaubemission und sei biologisch abbaubar.
„Mit diesem Projekt kommen wir dem Ziel der Europäischen Union wieder ein Stück näher, bis zum Jahr 2020 einen Anteil von 20 Prozent erneuerbare Energien am Energiemix zu erreichen“, hob der Minister in seinem Grußwort hervor. Allein die Bioenergie habe das Potential, zu diesem Zeitpunkt 24 Prozent des Primärenergiebedarfs in Mecklenburg-Vorpommern bereitzustellen. „Als Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz sehe ich in der Bioenergie große Möglichkeiten zur Erhaltung und Stärkung des ländlichen Raumes“, sagte Dr. Backhaus. Sie bedeute neben Umweltschutz und Zukunftssicherung auch Beschäftigungssicherung und Wertschöpfung im Land.
Dieses Potenzial zu nutzen stünde nicht im Widerspruch zu den etablierten Sparten der Lebens- und Futtermittelproduktion. „Die Produktion von hochwertigen Nahrungs- und Futtermitteln bleibt für unsere Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern nach wie vor das Hauptziel“, brachte der Minister zum Ausdruck. Die Entwicklung der Bioenergie werde außerdem nur die gewünschten Effekte erzielen, wenn dabei die Nachhaltigkeit in der Produktion, eine positive Öko-Bilanz, eine hohe Energieeffizienz und ein solches Kohlendioxid-Einsparpotenzial sowie geringe Kohlendioxid- Vermeidungskosten in den Fokus gerückt werden.