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Nachhaltigkeit konkret
Das Praxisbeispiel Bioethanol auf der Grünen Woche

"Biokraftstoffe können nur dann dauerhaft zukunftsfähig genutzt werden, wenn sie nachhaltig sind – also umweltfreundlich, wirtschaftlich und sozial
BDBe-Vorsitzender Norbert Schindler, MdB
verträglich", sagte BDBe-Vorsitzender Norbert Schindler, MdB, zur Eröffnung der BDBe-Konferenz auf der Internationalen Grünen Woche am 21. Januar 2009.  Schindler erklärte, die Veranstaltung im Rahmen der nature.tec, der 2. Fachschau für Bioenergie und nachwachsende Rohstoffe auf der IGW, leiste einen Beitrag, um den abstrakten Begriff Nachhaltigkeit am Beispiel von Bioethanol zu konkretisieren. Zur BDBe-Konferenz begrüßte er zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften sowie interessierte Messebesucher.

Frontliner Biokraftstoffe

Dr. Uwe Lahl (rechts) und BDBe-Geschäftsführer Dietrich Klein
Dr. Uwe Lahl
, Ministerialdirektor im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, bezeichnete die aktuelle Diskussion über Biokraftstoffe als irreführend. Viele Argumente, die gegen Biokraftstoffe ins Feld geführt werden, seien schlicht fachlich falsch. Er bedauerte, dass der Blickwinkel einseitig auf die Risiken beschränkt sei, die die Verwendung von Biokraftstoffen mit sich bringen könne. Dabei würden die Chancen, die nachhaltig produzierte heimische Biokraftstoffe für zukunftsfähige Mobilität böten, vernachlässigt. Dass Biokraftstoffe das Klima mit einer 40- bis 50-prozentigen CO2-Einsparung entlasten, ginge in der Diskussion unter. Um die unbestrittenen Risiken der Biokraftstoffproduktion abzufedern, arbeitet das Bundesumweltministerium an einer Nachhaltigkeitsverordnung, die sicherstellen soll, dass nur nachhaltige Biokraftstoffe in Deutschland verwendet werden. Den heimischen Biokraftstoffsektor bezeichnete Lahl als „Frontliner“, da Biokraftstoffe als einzige Biomasse schon jetzt die in der Nachhaltigkeitsverordnung vorgesehenen Klimaschutzziele erfüllen könnten.

Bioethanol: wirtschaftlich, ökologisch und sozial nachhaltig

André Hamers
Am Beispiel der ProkonNord Energiesysteme GmbH, die in Stade bei Hamburg Bioethanol aus Weizen herstellt, zeigte André Hamers wirtschaftliche Aspekte der Nachhaltigkeit von Bioethanol. Die Produktion sichere den Agrarstandort und damit Einkommen und Arbeitsplätze besonders in strukturschwachen ländlichen Räumen (in Stade konkret: 75 neue Arbeitsplätze). Bioethanol leiste zudem einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgungssicherheit und stabilisiere die Märkte für Nahrungsmittel und Kraftstoffe durch eine flexible Rohstoffbasis. Wirtschaftlich effizient sei die Bioethanol-Produktion besonders durch die entstehenden Nebenprodukte – im Beispiel Stade Gluten, Kleie und Hefe, die als hochwertige Futtermittel die Eiweißversorgung in der EU verbesserten.

Die Produktion von Bioethanol in Europa sei bereits heute ökologisch nachhaltig, so Dr. Lutz Guderjahn von
Dr. Lutz Guderjahn
der Südzucker-Tochter CropEnergies AG, die im sachsen-anhaltischen Zeitz eine der größten Bioethanolanlagen in Deutschland betreibt. Durch die Cross-Compliance Regeln, die u.a. Boden-, Landschafts- und Wasserschutz sowie die Erhaltung natürlicher Lebensräume garantieren, sei sichergestellt, dass in der EU nur nachhaltige Biomasse – und damit auch nur nachhaltiges Ethanol – produziert wird. Die Treibhausgaseinsparung von Bioethanol sei bislang deutlich unterschätzt worden, wie eine aktuelle Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg zeige. Entscheidend sei, dass für Importe zukünftig gleiche Anforderungen gelten müssten wir für europäische Produkte.

Micha Heilmann
Diesen Punkt unterstrich auch Micha Heilmann von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten. Die deutsche Bioethanolwirtschaft sei ein gutes Beispiel, wie soziale Nachhaltigkeit Realität werden kann. In anderen Ländern liege hingegen noch Vieles im Argen. Beachtet werden müsse beispielsweise die teils katastrophale Lage der Arbeiter, die in Ländern wie Brasilien Rohstoffe und Bioethanol produzieren. Es müsse zudem sichergestellt sein, dass auch in Entwicklungsländern die Produktion von Biokraftstoffen nicht zu Lasten der Nahrungsmittelversorgung gehe. Die Einhaltung der Kriterien für soziale Nachhaltigkeit nannte Heilmann die Voraussetzung für die weitere Akzeptanz von Bioethanol. Ihre Umsetzung erfordere eine enge Zusammenarbeit mit den Ländern, die weltweit Rohstoffe bzw. Bioethanol herstellen.

Win-Win-Situation für alle Beteiligten

Dr. Christel Happach-Kasan und Gerd Sonnleitner im Gespräch mit Dietrich Klein
Gerd Sonnleitner, Präsident des deutschen Bauernverbandes, gab ein klares Plädoyer für Bioethanol ab. Zur Frage der Flächenkonkurrenz sagte er, „Tank“ und „Teller“ stünden nicht im Widerspruch zueinander, dank der hochwertigen Nebenprodukte sei beides möglich. Durch ihre Nebenprodukte senke die Bioethanolproduktion zusätzlich die Importabhängigkeit für Eiweißfuttermittel. Die deutsche Bioethanolproduktion bezeichnete Sonnleitner als Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Auch für die FDP gehören Biokraftstoffe zum Klimaschutz – vorausgesetzt, sie werden nachhaltig produziert, so Dr. Christel Happach-Kasan, MdB. Die in der EU-Richtlinie zur Förderung Erneuerbarer Energien vorgesehene bessere Klima-Bewertung von Biokraftstoffen aus Lignocellulose und Strom in Elektroautos bezeichnete sie als Wettbewerbsverzerrung und einen klimapolitisch kontraproduktiven Schritt in die falsche Richtung. In Deutschland sei Bioethanol aus Zuckerrüben und Getreide eine der sinnvollsten und effizientesten alternativen Energiequellen.

Bei einer abschließenden Podiumsdiskussion gaben Bioethanolproduzenten Auskunft zum Thema "Nachhaltiges
Bioethanolproduzenten standen für Fragen des Publikums zur Verfügung
Bioethanol in der Praxis". Dr. Albrecht Schaper (fuel21 GmbH), Prof. Dr. Markwart Kunz (Südzucker AG), Bernhard Icking (Görlitzer Kornbrennerei & Spiritusfabrik KG) und André Hamers (ProkonNord Energiesysteme GmbH) sprachen sich u.a. dafür aus,  bei der Nachhaltigkeitszertifizierung den Verwaltungsaufwand für Erzeuger und Verarbeiter von Bioethanolrohstoffen im Rahmen zu halten und eine verursachergerechte Regionenaufteilung vorzunehmen.

 

Downloads (PDF):

Präsentation Dr. Uwe Lahl: Ölwechsel - nachhaltige Mobilität (0,3 MB) >> 
Präsentation André Hamers: Bioethanol - wirtschaftlich nachhaltig (1,6 MB) >> 
Präsentation Dr. Lutz Guderjahn: Bioethanol - ökologisch nachhaltig (0,8 MB) >> 
Präsentation Micha Heilmann: Bioethanol - sozial nachhaltig (2 MB) >>

 

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