Bagasse: Rückstand der zerkleinerten und entzuckerten Zuckerrohrstängel mit 48-54 % Trockensubstanzgehalt. Nutzung vornehmlich als Brennmaterial, nach (thermischem) Aufschluss auch als Viehfutter, des Weiteren zur Herstellung von Zellstoff, Papier, Karton, Pappe, Faser- und Spanplatten, Furfural, zur Bodenverbesserung. Auch der Rückstand der Zuckerhirse-Entzuckerung wird als Bagasse bezeichnet.
Backhefe (Presshefe): Saccharomyces cerevisiae, meistverwendete Mikroorganismen für die -> alkoholische Gärung.
Barrel: Abkürzung b oder bbl (british barrel), engl.: Fass. Gebräuchliches Volumenmaß für Erdöl = rd. 159 l. Preisfestlegung aller gebräuchlichen Ölsorten erfolgt in US-$/b. Umrechnung in Gewicht wegen stark streuender Dichte der verschiedenen Rohöllieferungen nur annähernd wie folgt möglich: 1 b = 136 kg, 1 t = 7,33 b.
Benzin: Sammelbegriff für Kohlenwasserstoffe des Rohöls, die zwischen 35 und 210°C sieden. Näheres siehe unter -> Benzinsorten.
Benzindichte: Durchschnittswert der Motorenbenzine 0,75 g/cm3.
Benzinsorten bzw. -arten: Unterschieden werden:
- Motorenbenzin (Otto- oder Vergaserkraftstoff) in unterschiedlichen Qualitäten (Super-, Normal-), (seit 2000 nur noch unverbleit),
- Rohbenzin (Naphtha), zur Verwendung als petrochemischer Rohstoff,
- Flugzeugbenzine verschiedener Art,
- Spezial- und Testbenzine für Lösungs- und Extraktionsmittel.
Benzol: zu den -> Aromaten gehörender Kohlenwasserstoff. Steigert die -> Klopffestigkeit des Benzins.
BImSchG: Bundes-Immissionsschutzgesetz
Bioäthanol: -> Bioethanol
Biodiesel: (-> RME; -> FAME). Biodiesel gehört als -> alternativer Kraftstoff zu den -> erneuerbaren Energien. B. wird aus Pflanzenöl (in Deutschland meist Raps) hergestellt, dass durch -> Umesterung aufbereitet wird. Chemisch handelt es sich um Fettsäuremethylester (FAME) oder Rapsmethylester (RME). Es gilt die europäische Norm EN14214, die u. a. Grenzwerte. für die Dichte, -> Viskosität (Zähflüssigkeit), chemische Zusammensetzung und den Flammpunkt des Biodiesels definiert.
Bioethanol: Ethylalkohol (Ethanol) aus agrarischer Biomasse, der vornehmlich als nachwachsender Energieträger und Kraftstoffadditiv bestimmt ist (vergl. -> Alkoholkraftstoffe).
Steckbrief:
- Form: flüssig
- Farbe: farblos
- Geruch: alkoholartig
- Formel: C2H5OH
- Schmelzpunkt: -114,5 °C
- Siedepunkt: 78 °C
- Flammpunkt: 12 °C
- Zündtemperatur: 425 °C
- nicht selbstzündlich
- Explosionsgefahr: Bioethanol ist nicht explosionsgefährlich, aber die Bildung explosionsgefährlicher Dampf-/Luftgemische ist möglich.
- Explosionsgrenzen: 3,5 % vol (untere Explosionsgrenze) bis 15 % vol (obere Explosionsgrenze)
- Dampfdruck:bei 20° C 58,7 hPa
- Heizwert: 26,8 MJ/kg bzw. 21,17 MJ/l
- Dichte: bei 20° C 0,79 g cm3
- Löslichkeit:in Mischbarkeit mit Wasser vollständig mischbar
- Viskosität:dynamisch, bei 20° C 1,5 mm2/s
- Cetanzahl: 8
- Oktanzahl (ROZ): > 100
- Kraftstoffäquivalenz: 1 l Bioethanol ersetzt ca. 0,65 l Benzin
- Norm: DIN EN 15376 für reines Bioethanol; Beimischung zu Ottokraftstoff gemäß der Norm DIN EN 228 (maximal 5 % v/v Bioethanol bzw. maximal 15 % v/v ETBE)
Biogas: methanhaltiges Gasgemisch, das durch anaerobe Gärung (ausfaulen) von organischen Rest- und Abfallstoffen (z.B. Schlempen, Zuckerfabriksabwässer, Gülle aus Tierhaltungen) bei Temperaturen um 35-55°C gebildet und als Heizgas verwendet wird. Zusammensetzung und Heizwert je nach Substrat unterschiedlich. Durchschnittswerte: Methangehalt 60 %, Heizwert 23 MJ/Nm3. 1 m3 entspricht Heizwert von 1,09 1 Ethanol oder von 0,63 1 Heizöl EL. Eine Großvieheinheit (GV = 500 kg Lebendgewicht) liefert pro Tag ca. 1,5-1,6 m3 Biogas ~ 1 l Heizöl.
Die Biogasgewinnung kennzeichnet eine umweltfreundliche Kreislaufwirtschaft, weil die organisch belasteten Abwässer - z.B. Schlempe bei Bioethanolgewinnung - unter gleichzeitiger Energiegewinnung gereinigt werden, ehe sie nach restlicher Klärung in Vorfluter abgeleitet werden. Das gewonnene Biogas kann wesentlich zur Deckung des Energiebedarfes der Bioethanolgewinnung beitragen.
Biokatalysator: moderne Bezeichnung für Enzyme und enzymbildende Mikroorganismen, die biochemische Reaktionen in Gang setzen bzw. beschleunigen. Die bei der Bioethanolgewinnung zur Stärkeverzuckerung und -> alkoholischen Gärung erforderlichen Enzyme sind mikrobieller Herkunft und werden entweder von -> Backhefe gebildet oder als isolierte Handelspräparate eingesetzt.
Biokraftstoffe: aus Biomasse gewonnene Kraftstoffe. (Bioethanol, Biodiesel, Biogas, Pflanzenöl). Als Biokraftstoffe der sog. 2. Generation (z. B. -> BtL, -> Sunfuel) werden umgangssprachlich Kraftstoffe bezeichnet, die aus allen Bestandteilen einer Pflanze, insbesondere -> Lignozellulose, hergestellt werden. Die Unterscheidung zwischen Biokraftstoffen der 1. und 2. Generation ist unscharf. Auch bei der Herstellung von Bioethanol können die anderen Pflanzenbestandteile als z. B. Stärke energetisch u. A. für die Erzeugung von Prozessenergie genutzt werden. Biokraftstoffe der 2. Generation sind bei einem Verhältnis verwendeter Biomasse und gewonnener Biokraftstoff von 5:1 energetisch aufwendig herzustellen.
Blending: engl. für Mischung. Herstellung von Kraftstoffen durch Mischung von Komponenten. Als Benzin-Alkohol-Mischung z.B. besteht -> E 5 zu 5 % aus Ethanol und zu 95 % aus Benzin. Siehe auch -> E 10; E 85. Auch die Beimischung von -> Additiven wird als B. bezeichnet.
Branntwein: unscharfer Begriff für -> Ethylalkohol. Im Sinne des Branntweinmonopolgesetzes ist B. jeder Ethylalkohol, für den keine anderen Bestimmungen, z.B. Weingesetz, Biersteuergesetz, gelten. Im Sprachgebrauch wird unterschieden zwischen (geschmacks)neutralem Alkohol und "Branntweinen" mit deutlich wahrnehmbaren Geschmacks- und Geruchsmerkmalen.
Branntweinmonopolgesetz: Die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BfB) besteht seit 1919. Ziel war und ist es, den zum größten Teil kleinen und mittelständischen Brennereien die Abnahme des Alkohols zu einem die durchschnittlichen Selbstkosten deckendes Branntweinübernahmegeld zu sichern. Da diese höher als der Weltmarktpreis für Alkohol sind, wird die Bundesmonopolverwaltung durch Subventionen gestützt. Kern des Branntweinmonopols ist das so genannte -> Brennrecht als Kontingent. Die Brennerei ist je nach Brennrecht (optional) berechtigt oder verpflichtet, den Alkohol an die Bundesmonopolverwaltung abzuliefern.
Für die Herstellung von Bioethanol sind Brennereien von der Ablieferungspflicht befreit und können mengenmäßig unbegrenzt Alkohol herstellen und vermarkten.
Branntweinsteuer: Die Branntweinsteuer ist die durch das -> Branntweinmonopolgsetz geregelte Verbrauchsteuer, deren Aufkommen vollständig dem Bund zusteht und die vom Zoll verwaltet wird. Nach dem Branntweinsteuerrecht unterliegen Branntwein und branntweinhaltige Waren der Branntweinsteuer. Die steuerrechtliche Definition von Branntwein wird anhand der sog. Kombinierten Nomenklatur vorgenommen. Die Bandbreite der Produkte ist nahezu unbegrenzt und reicht von Trinkalkoholen wie Obstbranntwein, Wodka, Whisky oder Korn über Lebensmittelaromen und Kosmetikprodukten bis hin zu Alkoholgemischen (z.B. Mosstanol, Ethasol und ähnliche Gemische aus Ethylakohol und Isopropanol), die beispielsweise bei petrochemischen Prozessen zwangsweise anfallen.
Die Bemessungsgrundlage ist die im Erzeugnis enthaltene reine Alkoholmenge (r. A.), die bei einer Temperatur von + 20 °C ermittelt wird. Der Regelsteuersatz beträgt 1.303 € pro hl Alkohol; für -> Abfindungsbrenner/Stoffbesitzer 1.022 € und für -> Verschlussbrennereien 730€. Die gewerbliche Weiterverwertung als Kraftstoff ist steuerbefreit.
Brennrecht: regelmäßiges Jahresbrennrecht der -> Brennereien in hl r. A., das je nach Verbrauch durch die Bundesmonopolverwaltung erhöht oder gekürzt werden kann.
Brennerei: Hersteller von Ethylalkohol = Branntwein i. S. des Branntweinmonopolgesetzes. Zu unterscheiden sind -> Verschluss- und -> Abfindungsbrennereien. Erstere sind zollamtlich gesichert, d.h. der erzeugte Alkohol wird über geeichte Sammelgefäße oder Messuhren vollständig amtlich erfasst. Etwa 5 % der deutschen Brennereien sind Abfindungsbrennereien, die so klein sind, dass ihre Erzeugungsmenge nur anhand von rohstoffbezogenen Ausbeutesätzen geschätzt wird. Zusätzlich gibt es noch Obsterzeuger in bestimmten Regionen, die kein eigenes Brenngerät besitzen (sog. Stoffbesitzer). Sie nutzen fremde Brenngeräte und können zu etwa den gleichen Bedingungen wie Abfindungsbrenner Alkohol herstellen und an die BfB abliefern.
Brennstoffzelle: Die ursprünglich für die Raumfahrt entwickelte Brennstoffzelle wandelt Wasserstoff in Strom um. In der B. wird die chemische Reaktionsenergie des Wasserstoffs als kontinuierlich zugeführter Brennstoff und des Sauerstoffs als Oxidationsmittel in elektrische Energie umwandelt. Der Prozess läuft kontrolliert ab, in dem die Gase, die durch Elektrolyten voneinander getrennt sind, über einen elektrischen Leiter Elektronen austauschen. Abfallprodukt ist reines Wasser. Brennstoffzellen können mittels eines vorgeschalteten Konverters auch den in Ethanol, Methanol, Erdgas oder Benzin enthaltenen Wasserstoff als Brennstoff nutzen.
BSB –Wert: Abkürzung für "biochemischer Sauerstoffbedarf (des Abwassers) in 5 Tagen". Maßstab der Schmutzlast des Abwassers. Gibt die Sauerstoffmenge in mg an, die von 1 l Abwasser in 5 Tagen zum (biologischen) Abbau der Schmutzfracht verbraucht wird. Siehe auch -> CSB-Wert.
BtL: Abk. für „Biomass to Liquid“ als -> alternativer Kraftstoff der 2. Generation, aus Biomasse hergestellt. Kann als Reinkraftstoff oder in Form von Beimischungen verwendet werden.
Es gibt verschiedene Verfahren zur Gewinnung eines flüssigen Kraftstoffs aus Biomasse. Meist wird in einem zweistufigen Verfahren zuerst durch Biomassevergasung ein Synthesegas erzeugt, welches in einem weiteren Prozess verflüssigt wird. Die Firma Choren Industries stellt ihr Produkt -> SunFuel mittels Carbo-V-Verfahren und Fischer-Tropsch (FT)-Synthese her. Dabei reagieren die reaktiven Bestandteile des Synthesegases (CO und H2) an einem Katalysator zu Kohlenwasserstoffen. Um die Dieselausbeute (SunDiesel) zu maximieren, werden die bei der FT-Synthese anfallenden Wachse mittels -> Hydrocracking weiter verarbeitet. Dieses Verfahren stammt aus der Petrochemie und wird zur Verwertung von Raffinerierückständen eingesetzt.
Butan: Bei Benzinherstellung verwendetes preisgünstiges Gas mit guter Klopffestigkeit. Muss bei Erhöhung des -> Dampfdruckes des Gemisches reduziert werden. B. kommt zusammen mit Iso-Butan, Butadien und den Butenen als sogenannte C4-Fraktion in Erdöl-Crackgasen und im Erdgas vor. B. ist farb- und geruchlos, in Wasser wenig löslich, in Alkohol und Äther leicht löslich.
Butanol (Butylalkohol): "höherer Alkohol", Bestandteil der Fuselöle des Ethylalkohols. Kann zusammen mit Aceton durch -> anaerobe Gärung mittels Bakterien (Clostridien) aus Melasse, Mais etc. gewonnen werden. Bestimmte Isomere (-> Tertiärbutylalkohol = TBA) dienen als Lösungsmittel für Benzinkomponenten.