Auf dieser Seite finden Sie Kurzberichte über einige Länder, in denen Bioethanol eine wichtige Rolle spielt:
Brasilien
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In Brasilien wird seit mehr als 30 Jahren Bioethanol aus Zuckerrohr hergestellt. In Folge der Erdölkrise 1973/74 entstand 1975 das so genannte PROÁLCOOL-Programm zur Senkung der Abhängigkeit vom Erdöl, das als Zusammenarbeit zwischen Staat und Privatwirtschaft konzipiert war.
Brasilien ist das Land mit den weltweit größten Bioethanolkapazitäten, da die Relation von Zucker- und Bioethanolproduktion je nach Marktbedingungen variabel gesteuert werden kann. Aufgrund der niedrigen Produktionskosten - ca. 25 US-Cent/l - ist brasilianisches Bioethanol aus Zuckerrohr sehr preiswert. Deshalb war Brasilien bei der Herstellung von Bioethanol lange weltweit führend. 2005 wurden mit 12,7 Mio. t ca. 36 % der weltweiten Bioethanolproduktion hergestellt - seitdem wurde Brasilen allerdings von den USA überholt. Beim Export liegt Brasilien (2008 mit knapp 3,5 Mio. t) weltweit vorn.
Brasilien ist ebenfalls Vorreiter bei der Einführung der sog. Flexible Fuel (FFV)-Fahrzeuge, welche Benzin und Bioethanol in jedem beliebigen Mischungsverhältnis tanken können, weil durch einen Sensor im Motor der Zündzeitpunkt angepasst wird. Diese Fahrzeuge können von der in Brasilien verpflichtenden Beimischung zum Benzin von 20-25% Ethanolanteil bis zu reinem Ethanol (E 100) alle Bioethanol-Ottokraftstoffmischungen tanken. In Brasilien gibt es ein flächendeckendes E 100-Tankstellennetz (als "Gasolina Tipo C" gekennzeichnet). Mittlerweile sind ca. 90% aller Neufahrzeuge FFV´s- im Jahr 2008 wurden insgesamt 2,4 Millionen davon verkauft. Insgesamt besteht mittlerweile die Hälfte des gesamten Fahrzeugbestands aus FFVs.
Insgesamt macht Ethanol als Benzinbeimischung und Reinkraftstoff heute in Brasilien ca. die Hälfte des Treibstoffverbrauchs aus.
USA
Die USA sind Marktführer bei der Umwandlung von Mais in Bioethanol - im Jahr 2009 sind in den USA 32,3 Mio. t Bioethanol für Kraftstoffzwecke erzeugt worden. Die Anzahl der Bioethanolanlagen ist von 50 im Jahr 1999 auf 187 Anfang 2010 in 26 Bundesstaaten gestiegen. Die amerikanischen Produktionskapazitäten für Bioethanol haben sich mit 50,9 Mio. t Mitte 2008 gegenüber ca. 16,1 Mio. Tonnen Ende 2006 mehr als verdreifacht.
Benzin-Ethanol-Gemische werden in den USA als Gasohol bezeichnet. Nach der Ölkrise 1973 wurde mit dem sogenannten "Energy Tax Axt" aus dem Jahr 1978, der eine Befreiung der Verbrauchssteuer für Biokraftstoffe erlaubte, die Entwicklung einer Kraftstoff-Ethanol-Industrie forciert. Mit dem "Clean Air Act" wurd in den 1990er Jahren die mit Bioethanol erreichbare Verbesserung der Luftqualität in Großstädten durch Senkung der Schadstoffemissionen aus dem Straßenverkehr gefördert. Seit dem Jahr 2004 gibt es mit dem "Volumetric Ethanol Excise Tax Credit" (VEETC) Steuererleichterungen für alle Beimischungsquoten von Bioethanol zu Benzin. Mit dem "Energy Policy Act" gibt es seit 2005 das politische Ziel, die Ethanol-Beimischung zu Benzin zu steigern, um die Abhängigkeit vom Rohöl zu minimieren.
Die Umweltbehörde EPA machte ab dem Jahr 2006 steigende Quotenvorgaben für Biokraftstoffe am Gesamtkraftstoffverbrauch (im ersten Jahr 2,78 % bzw. 12,25 Mio. t). Die Quote steigt bis zum Jahr 2017 auf 15 %; im Jahr 2022 sollen dann rund 110 Mio. t Bioethanol abgesetzt werden, davon ca. die Hälfte aus Lignozellulose. Der damalige amerikanische Präsident Bush hatte in seiner Rede zur Lage der Nation im Januar 2007 ambitionierte Ziele zum Einsatz erneuerbarer Energien genannt, die mit dem "Energy Independence and Security Act 2007" (kurz Engergy Bill 2007) im Dezember in Gesetzesform gebracht wurden. Bis zum Jahr 2017 soll der Verbrauch fossiler Treibstoffe um 20 % gesenkt werden- unter anderem durch den vermehrten Ersatz von Benzin durch Bioethanol. Die ursprünglich für das Jahr 2012 angepeilte Bioethanolproduktion von rund 23 Mio. t wurde schon 2008 übererfüllt.
In vielen Bundesstaaten werden dem Benzin bereits 10 Prozent Ethanol beigesetzt. Auch der Markt für E 85 entwickelt sich positiv. Im Jahr 2008 führten ungefähr 2000 Tankstellen E85 für über 7 Mio. FFV-Fahrzeuge.
Frankreich
Frankreich hat 2008 mit 490.000 t gegenüber 2007 mit 456.000 t seine Produktion fast verdoppelt und bleibt damit der größte Bioethanolhersteller der EU - 2006 war es mit 200.000 t hinter Deutschland und Spanien noch drittgrößter europäischer Bioethanolproduzent gewesen.
Die Regierung hat sich das Ziel gesetzt, bis 2010 7% des Energiegehalts von Kraftstoffen durch Biokraftstoffe bereitzustellen. Dazu werden sowohl E 10 als auch E 85 gefördert:
E 10
Seit dem 1.4.2009 forciert der französische Staat die Verwendung von Super mit einem zehnprozentigen Bioethanolanteil ("Supercarburant 95 - E 10"). Nach und nach soll er landesweit an allen Tankstellen eingeführt werden. Ziel ist es, dass bis Jahresende 70% aller Tankstellen mit dem grünen Superkraftstoff ausgerüstet sind. Zur Frage der Motorenverträglichkeit wurde eine Website eingerichtet, nach der ca. 60% des aktuellen Fahrzeugbestands E10-tauglich sind. Der Kfz-Hersteller Renault hat z.B. einen Marktanteil von bioethanolfähigen Kfz von 50 % der Benzin-Kfz bis 2009 angekündigt.
E 85
Mit der "Charta zur Entwicklung des Kraftstoffs Superethanol E 85" (96KB) vom 13. November 2006 ist eine wesentliche Steigerung der bislang auf ETBE beschränkten Verwendung von Bioethanol vereinbart worden. In der auf 5 Jahre vereinbarten Charta haben sich Landwirtschaft, Bioethanolhersteller, Kraftstoffhersteller und Kraftstoffvertreiber, Kfz-Hersteller und der Staat verpflichtet, in Frankreich E 85 und FFV-Fahrzeuge flächendeckend in den Markt einzuführen.
Folgende Kernpunkte sind Gegenstand der Charta:
- Steuerliche Förderung von E 85 (Energiesteuersatz gesenkt auf 33,43 €/hl)
- Schaffung der genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen für E 85 Tankstellen
- Verabschiedung einer Norm für E 85
- Markteinführung von FFV-Fahrzeugen
- Steuerliche Förderung von FFV-Fahrzeugen
- Mindestanteile von FFV-Fahrzeugen in staatlichen Kfz-Flotten (15 % in 2007, 30 % ab 2008)
- Angebot von E 85 in mindestens 500 Tankstellen
- Steuerliche Förderung der E 85-Ausrüstung in Tankstellen
- Sicherung der Marktbelieferung mit E 85
- Gewährleistung eines unter dem Preis von Superbenzin liegenden Marktpreises von E 85
Für die Umsetzung der Charta sieht z.B. das französische Mineralölunternehmen Total die Einführung von E 85 bei 40 % seiner Tankstellen vor. Mitte 2010 gab es insgesamt ca. 490 E 85-Tankstellen in Frankreich.
Italien
In Italien wurde die Produktion von Bioethanol erst stark gesteigert- nach nur 10.000 t im Jahr 2005 wurden im Jahr 2006 schon 100.000 t produziert. Damit wurde Italien in der EU innerhalb von 3 Jahren zum fünftgrößten Bioethanolproduzenten. Allerdings sind die Produktionsmengen seitdem mit jeweils 47.000 t wieder rückläufig gewesen, so dass das Land nur noch einen Platz im Mittelfeld der mittlerweile 17 Bioethanol produzierenden EU-Länder einnimmt.
Schweden
In der Produktion von Bioethanol liegt das skandinavische Land nur im europäischen Mittelfeld - in der Vermarktung von Bioethanol als Kraftstoff ist Schweden jedoch in Europa führend. Schon im Jahr 2004 wurden 200.000 t Ethanol als Kraftstoff verbraucht, 2008 waren es 334.000t. Neben der Beimischung von 5% Bioethanol in praktisch allen Benzinsorten setzt das Land vor Allem auf den Reinkraftstoff E 85, den darauf ausgelegte sog. Flexible-Fuel-Fahrzeuge tanken. Es gibt derzeit ca. 1400 E 85-Tankstellen, d.h. über ein Drittel des nationalen Tankstellennetzes verkauft den umweltfreundlichen Biokraftstoff.
Der Absatz von Flexible-Fuel-Fahrzeugen ist zunehmend - insgesamt wurden bis heute etwa 100.000 Stück bei Saab, Ford und Volvo verkauft. 2008 machten die Umweltautos fast ein Viertel aller Neuwagenverkäufe aus. Der Marktanteil von E85-Autos in Schweden beträgt momentan gut sechs Prozent. Mit einem Zuschuss von 10.000 Kronen, das sind umgerechnet rund 1.100 Euro, fördert der Staat den Kauf von umweltfreundlichen Neuwagen. Den grünen Stempel dürfen nur Fahrzeuge tragen, die weniger als 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Ihren Besitzern winken weitere Vergünstigungen: Sie zahlen geringere KFZ-Steuern, dürfen in vielen Städten umsonst parken und sparen bei jeder Tankfüllung bis zu 42 Cent pro Liter verglichen mit gewöhnlichem Super-Benzin.
Schweden hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2020 von fossilen Rohstoffen unabhängig zu sein.
Spanien
Spanien war bis 2005 (mit 237.000 t) der größte Produzent von Bioethanol in Europa, musste diese Führungspositon aber seit 2006 aufgeben und lag 2008 mit 250.000 t auf Platz 3. Zur Produktion wird Getreide -hauptsächlich Gerste und Weizen -verwendet.
Bislang wird Bioethanol in Spanien hauptsächlich in Form von ETBE genutzt. Allerdings hat die Regierung ehrgeizige Ziele: im Verkehrsbereich sollen bis 2012 17,2 % des Kraftstoffverbrauchs durch Ethanolmischungen abgedeckt werden. Damit würden 6 Mio. t CO2-Abgase und 16 Mio. t Erdölimporte vermieden, sowie 900 Mio. € Investitionen mit der Schaffung von 46.000 Arbeitsplätzen einhergehen.