Klein Wanzleben:„Wir werden Treibstoff für das 21. Jahrhundert produzieren und dazu beitragen, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern“. Mit diesen Worten begrüßte der Nordzucker-Vorstandsvorsitzende Dr. Ulrich Nöhle rund 150 Gäste aus Politik und Wirtschaft zum ersten Spatenstich für den Bau der fuel 21-Bioethanolanlage. Die Gründung der fuel 21 GmbH als 100-prozentige Nordzucker-Tochter markiert den Einstieg des zweitgrößten deutschen Zuckerherstellers in das Geschäftsfeld Energie aus nachwachsenden Rohstoffen.
Die neue Anlage wird ab Oktober 2007 jährlich 130.000 Kubikmeter Bioethanol aus Rohsaft und Dicksaft auf Basis von Zuckerrüben erzeugen. Insgesamt sind Investitionen in Höhe von etwa 70 Millionen Euro geplant. Damit dieses Bauvorhaben in die Tat umgesetzt werden konnte, hatten zuvor 3.200 Zuckerrübenanbauer in ganz Norddeutschland einen Vertrag über die Lieferung von Zuckerrüben zur Bioethanolerzeugung über die für die Startphase notwendige Rübenmenge gezeichnet.
Technik-Vorstand Günter Jakobiak sieht den Einstieg in die Bioethanolproduktion als „zukunftsweisenden Schritt in den wachsenden Markt für biogene Treibstoffe“. Neben der günstigen CO2-Bilanz könne Bioethanol die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringern und die Versorgungssicherheit bei Energie erhöhen. Mit Blick auf die EU-Vorgaben sei in Deutschland eine Beimischungsquote für Benzin zum 1. Januar 2007 von zunächst zwei Prozent Bioethanol vorgesehen.
Jakobiak begrüßte den Ende August vorgelegten Gesetzentwurf, der eine Erhöhung der Beimischungsquote zum 1. Januar 2010 auf drei Prozent vorsieht.
Nach dem Inkrafttreten der neuen EU-Zuckermarktordnung am 1. Juli 2006 gebe Nordzucker ein sehr deutliches Signal für einen dauerhaft erfolgreichen Rübenanbau in Norddeutschland. „Wir setzen im ersten Schritt auf Rübe. Vor allem um Kostenvorteile der Ankopplung an die laufende Zuckerfabrik zu nutzen“, sagt Jakobiak. Er betonte, fuel 21 werde nach den marktordnungsbedingten Einschnitten im Anbaujahr 2006 bereits 2007 zu einer deutlichen Wiederausdehnung des Rübenanbaus in Norddeutschland beitragen.
Förderzusage aus Sachsen-Anhalt
Grünes Licht für eine Förderzusage des Landes Sachsen-Anhalt. Energie aus nachwachsenden Rohstoffen nimmt hier einen besonderen Stellenwert ein: „Für Sachsen-Anhalt gilt es, die in diesem Sektor sich bietenden Chancen zu nutzen“, betonte Agrarministerin Petra Wernicke in ihrer Begrüßungsrede. Die Verarbeitung von Zuckerrüben zu Bioethanol sei eine mögliche Einkommensalternative für Landwirte aus Sachsen-Anhalt, die in Verbindung mit der Neuregelung der Zuckermarktordnung Einkommensverluste befürchten. „Wir setzen auf die Nutzung landwirtschaftlicher Rohstoffe auch zur Gewinnung alternativer Energie, weil damit eine kontinuierliche Wertschöpfung in unserem Land verbunden ist“, freute sich die Ministerin.