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ifo Institut: Positive volkswirtschaftliche Effekte der Verwendung von Bioethanol aus deutscher Produktion
Pressemeldung des ifo Instituts

München: Für das Jahr 2010 erwartet die Bioethanolbranche eine Zunahme der inländischen Erzeugung auf einen Produktionswert von ca. 1,1 Mrd. Euro bzw. 1,9 Mill. Tonnen. Dies stellt im Vergleich zu den Produktionsplänen für das Jahr 2007 eine Verdreifachung dar. Die vom Münchener ifo Institut mit Hilfe der Input-Output-Rechnung ermittelte inländische Wertschöpfung, die direkt oder indirekt auf die Ethanolerzeugung und deren Einsatz im Kraftstoffsektor zurückzuführen ist, wird sich auf etwa 2,1 Mrd. Euro belaufen. Dieser Wertschöpfung liegt eine gesamtwirtschaftliche Produktionsleistung von insgesamt 3,7 Mrd. Euro zugrunde.

Diese Entwicklung ist verbunden mit der Bildung von Nettobetriebsüberschüssen in den Unternehmen (0,6 Mrd. Euro) und Arbeitnehmerentgelten in Höhe von knapp 1 Mrd. Euro. Die Beschäftigungswirkung kann insgesamt mit etwa 31.000 veranschlagt werden, wobei etwa 40% auf die Multiplikatoreffekte zurückzuführen sind. Auch die öffentlichen Haushalte werden profitieren: Die Staatseinnahmen aus Steuern, Abgaben und Gewinnanteilen belaufen sich unter den formulierten Rahmenbedingungen auf 369 Mill. Euro. Die Sozialversicherungsträger erzielen zusätzliche Einnahmen in Höhe von 252 Mill. Euro, und bei der Arbeitslosenunterstützung können 341 Mill. Euro eingespart werden. Weitere Einsparungen können auch bei den Marktordnungskosten für die überschüssigen Getreidemärkte der EU erwartet werden, denen allerdings gezahlte Energiepflanzenprämien gegenüberstehen. Der durch den geringeren Energiegehalt bedingte Mehrverbrauch von Ottokraftstoffen sowie der ethanoleinsatzbedingte Preisanstieg sind Sondereffekte, die zu zusätzlichen Steuereinnahmen bei der Mineralöl- und der Mehrwertsteuer in Höhe von zusammen 687 Mill. Euro führen. Insgesamt können die öffentlichen Haushalte mit Mehreinnahmen in Höhe von 1,67 Mrd. Euro rechnen.

Die so ermittelte Wertschöpfung berücksichtigt nicht nur die Erzeugung von Bioethanol und der Nebenprodukte, sie erfasst vor allen Dingen auch die Verflechtung der Ethanolerzeugung mit den übrigen Bereichen der Volkswirtschaft, von denen Vorleistungen in Anspruch genommen werden. Der wesentliche Vorteil der Input-Output-Analyse besteht jedoch darin, dass über entsprechende Multiplikatoren die Auswirkungen der Investitionen sowie der zusätzlich geschaffenen Einkommen auf die Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern sowie Dienstleistungen miterfasst werden. Neben der inländischen Nachfrage wird auch eine Nachfrage nach Importgütern hervorgerufen.

Hintergrund der Studie ist das Aufzeigen der nicht zu vernachlässigenden Nebeneffekte durch den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten, die durch politische Vorgaben entstehen, aber in der allgemeinen Diskussion untergehen. So haben Vorgaben gemeinsamer europäischer Energiepolitik und die entsprechenden gesetzgeberischen Aktivitäten der Bundesregierung zum Ziel, den Anteil von Biokraftstoffen am gesamten Kraftstoffverbrauch schrittweise zu erhöhen. Für das Jahr 2010 wird EU-weit ein Anteil von 5,75% über alle Kraftstoffarten angestrebt. Die Diskussion wird bisher dominiert von den energiepolitischen Zielen sowie den Auswirkungen auf die Landwirtschaft, die die Rohstoffe liefern soll, und den internationalen Handel (Abhängigkeit vom Öl!). Für die Wirtschaft der beteiligten Länder und deren öffentliche Haushalte ergeben sich ganz erhebliche Nebeneffekte: Der Aufbau neuer Wertschöpfungsketten - von der Getreideproduktion über die industrielle Ethanolerzeugung bis hin zur Kreierung von Blendkraftstoffen in den Unternehmen der Mineralölwirtschaft und deren Distribution an die Verbraucher - trägt nicht nur zu einem Anstieg der nationalen Wertschöpfung bei, sondern auch in einem ganz erheblichen Maße zu Einnahmen und Entlastungen der öffentlichen Haushalte. Die aktuelle Untersuchung des ifo Instituts hat diese Effekte mit Blick auf die Zieljahre 2007 und 2010 für den Einsatz von Bioethanol als Bestandteil des Ottokraftstoffs quantifiziert.

Weitere technische Informationen: Auch wenn unter technischen und ökonomischen Gesichtspunkten verschiedene Rohstoffe zur Bioethanolerzeugung in Deutschland eingesetzt werden können, wurden die Berechnungen zur Wertschöpfungskette exemplarisch für den Rohstoff Ethanolweizen durchgeführt. Dabei wurden zwei verschiedene Varianten gerechnet, wobei die zweite eine ausschließliche Versorgung mit Ethanol aus inländischer Erzeugung unterstellt.

Bei der Herstellung von Bioethanol aus Weizen fallen Nachprodukte an, die in getrockneter Form als hochwertiges Eiweißfuttermittel (DDGS) direkt oder indirekt auf dem Umweg über die Futtermittelindustrie in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen können. Damit kann Sojaschrot, das vom Weltmarkt zu importieren ist, ersetzt werden. Da DDGS unter Berücksichtigung des Proteingehaltes billiger angeboten wird, ergibt sich für die Futtermittelwirtschaft und damit letztlich für die Landwirtschaft ein Kostenvorteil, der sich auf etwa 50 Euro/Tonne verfütterten DDGS beläuft.

Die Mineralölwirtschaft verwendet Bioethanol für die Herstellung von Ottokraftstoff in zweierlei Weise: Es wird zur Erzeugung des Kraftstoffzusatzes ETBE eingesetzt, dieser ersetzt das bisher verwendete MTBE, das auf der Basis von Methanol erzeugt wurde und als weniger umweltverträglich gilt. Der größere Anteil von Ethanol geht als „Zumischung“ in den Kraftstoff ein, wodurch allerdings die Zusammensetzung insgesamt neu justiert werden muss. Ottokraftstoff der Zukunft wird aufgrund des im Vergleich zu Benzin niedrigeren Energiegehaltes von Ethanol auch eine leicht geringere Energiedichte aufweisen. Für 2007 dürfte damit der Verbrauch von Ottokraftstoff um 0,75%, für 2010 um 2,6% steigen. Da die Mineralölwirtschaft infolge des Einsatzes von Ethanol Mehrkosten gegenüber der bisherigen Produktionsweise zu verkraften hat, ist sie bestrebt, diese über den Markt wieder hereinzuholen. Die Mehrkosten, die 2007 knapp 0,5 Mrd. Euro und 2010 etwa 1,3 Mrd. Euro ausmachen dürften, könnten dann zu Preisanhebungen von 1,25 Cent/Liter und 3,14 Cent/Liter (jeweils inkl. MwSt) führen. Dieser Kalkulation liegt die Annahme zugrunde, dass „nicht mehr benötigtes“ Benzin mit deutlichen Preisabschlägen auf dem Weltmarkt abgesetzt werden muss (minus 25% und Logistikkosten).

Download der Studie (217 KB)

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